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Die Zeit des Bangens ist jetzt vorbei
Die kurdischen Schwestern Hülya, Ayfer und Sibel Sönmez dürfen in Deutschland bleiben
VON UNSERER MITARBEITERIN DOROTHEE MÖLLER-BARBIAN
BAD KROZINGEN/MÜNSTERTAL. Dass den kurdischen Schwestern Hülya, Ayfer und Sibel Sönmez am 4. Dezember vom Innenministerium Baden-Württemberg aus humanitären Gründen die Aufenthaltserlaubnis erteilt wurde, war für die Sönmez-Initiative der schönste Lohn für zweieinhalb Jahre beharrliches, ehrenamtliches Engagement. Und die drei jungen Frauen konnten kaum glauben, dass die Zeit des Bangens nun vorbei ist.
Nachdem der Asylantrag der Schwestern abgelehnt worden war, brachte im April 2005 ein Artikel in der BZ den Stein ins Rollen. Inge-Lore Andres aus Münstertal, wo die Familie Sönmez damals noch wohnte, war vom Schicksal der von der Abschiebung bedrohten Kurdinnen so berührt, dass sie beschloss, eine Initiative zu gründen - trotz des fast aussichtslos erscheinenden Unterfangens, das Bleiberecht zu erwirken.

Sachverständige hatten dem Anliegen keinerlei Chancen eingeräumt, da zwei der Schwestern bei der Einreise bereits volljährig waren. Dennoch fand sich ein großer Kreis von Mitstreitern, auch solche aus dem Münstertäler Tauschring. Die Hauptarbeit teilte sich Inge-Lore Andres mit Barbara Hirth. Überall, wo beide sich Hilfestellung erhofften, sprachen sie vor, knüpften Kontakte, schrieben unzählige Briefe, organisierten Unterschriftenaktionen.
Mehrere Zeitungen und auch das Fernsehen griffen den Fall auf. „Es kann doch nicht sein, dass drei junge Frauen von der Familie getrennt und in die Türkei abgeschoben werden sollen, wo sie als Angehörige einer Minderheit ohne Chancen und etlichen Gefahren ausgesetzt wären”, so oder ähnlich klangen die Argumente der entschlossen auftretenden Initiative und vieler Menschen aus der ganzen Region, die sich meldeten, um Hilfe zuzusagen. Eine betagte Rentnerin etwa, die anbot, die Schwestern zu verstecken.
In einer Presseerklärung würdigte die Initiative die große Unterstützung, die sie in der Bevölkerung gefunden hatte, auch bei Bürgermeister a.D. Peter Jehle (Münstertal) und Bürgermeister Ekkehart Meroth (Bad Krozingen), den Pfarrern der evangelischen Gemeinden beider Orte, Hartmut Friebolin und Gerhard Jost, bei Mitgliedern des Landtages und Christian Möller vom Südbadischen Aktionsbündnis gegen Abschiebungen (SAGA). Ferner durch Einrichtungen der beiden Kirchen und die Berichterstatter im Petitionsausschuss Walter Witzei und Bärbel Mielich, durch Staatssekretär Gundolf Fleischer, den Landtagsabgeordneten Christoph Bayer und viele andere.
Hülya Sönmez (26), die Älteste der jungen Frauen, die die ganze Familie managt, sprach von dem großen Dank, den sie und ihre Schwestern all denen gegenüber empfinden, die das Bleiberecht mit erstritten haben. Und die beiden Vorsitzenden der Initiative, Andres und Hirth, stellten fest: „Uns hat diese Entscheidung der Härtefallkommission Mut gemacht. Bürgerschaftliches Engagement kann Gutes bewirken. Doch man braucht einen langen Atem”. Andres nannte den Aufwand, der zum Erfolg führte, „gigantisch”. Sieben Jahre lang hatten die Kurdinnen auf diesen Erfolg gehofft, nachdem sie Anfang 2001 mit der Familie nach Deutschland gekommen waren (Eltern und ein Bruder hatten 2004 Bleiberecht erhalten).
Ohne die breite Unterstützerfront hätte die Härtefallkommission, an deren Votum sich das Innenministerium orientierte, vermutlich anders über die Eingabe der Sönmez-Initiative entschieden. Positiv dürfte sich ausgewirkt haben, dass die Schwestern eine Ausbildung begonnen beziehungsweise eine Arbeit aufgenommen hatten. Ihre Aufenthaltserlaubnis gilt zunächst für zwei Jahre. Was wäre im Fall einer Ablehnung passiert? „Wir hätten mit allen Mitteln weitergekämpft.” Die Antwort von Inge-Lore Andres überrascht nicht.


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