Tauschring Blog für das Dreiländereck

Tauschring - was bringt’s?

“Talenttauschringe entstanden seinerzeit als Selbsthilfeorganisationen,” - so beginnt Rita Schäfer eine sehr interessante Auswertung der Mitgliederbefragungen im Talent-Tauschring Freiburg im Jahr 2011 - “die dem herrschenden ungerechten Wirtschaftssystem etwas entgegensetzen wollten. Die entscheidende Idee war der Tausch von Zeit , die aufgrund der Gleichwertigkeit aller Menschen für alle Mitglieder gleich viel wert sein sollte.”

Sie führt dann ein paar grundlegende Mängel auf. Sie sollen hier kurz aufgelistet werden. Jeder Tauschring möge prüfen, wie weit das stimmt.

  • Zeit ist nicht gleich Zeit. In Freiburg rechnet man sofort in Euro um (1 Euro = 1 Talent) bei den Angeboten, aber auch im Tauschring Markgräflerland geht man eher nach dem Marktwert der Leistungen als nach der Zeit.
  • Tauschpartner sind unzuverlässig
  • wir finden nicht die passenden Angebote, die unsere finanzielle Not erleichtern
  • die Arbeit für den Tauschring wird nicht gewürdigt und kaum einer will sie machen
  • die Mitglieder ohne Internet werden nicht einbezogen

Ihr Vorschlag: Gemeinwohl-Ökonomie von Christian Felber zur Grundlage nehmen um den Ist-Zustand unserer Tauschringe genauer zu untersuchen und daraus Verbesserungsvorschläge abzuleiten.

Was brauchen wir wirklich?
Am 16. November traf ich in Freiburg Juanjo aus Sevilla bei einer Tagung und Frieder Müller, mit dem wir schon 1996/1998 die Zeitbörse Müllheim (Gründung 1994) in den Tauschring Müllheim umgewandelt haben. Das hat mich bewegt, diese grundlegenden Überlegungen weiterzuführen.

Überraschend in Sevilla: Sie haben zwei Systeme von “Sozialem Geld” mit denen wir genauso bei uns Erfahrungen machen könnten und machen.
1. der Puma, ein Regiogeld in einem Stadtteil von Sevilla: Pumarejo hat die Situation, dass die Stadt ein Gemeinschaftshaus nicht mehr halten kann, ausgenutzt um es als eigener Verein zu übernehmen und dort einen regelmäßigen Tauschmarkt einzurichten, bei dem gleichzeitig das Puma-Geld und der € zu Einsatz kommt.
2. die Zeitbank “banco del tiempo del Eco-local” ist ganz ähnlich unserer Zeitbankplus organisiert zur Sicherung der gegenseitigen Hilfe in Krisensituationen.

Perspektive für die Ortsgruppen im Tauschring Markgräflerland
Es geht nicht ums Weglassen, sondern ums hinzufügen.

Die Zeitbörse Müllheim ist vor 20 Jahren in einer überschaubaren Gruppe enstanden.
Wir haben deren Regeln leider unbesehen für den Tauschring Markgräflerland übernommen. Das hat mit zu dem heutigen Frust beigetragen, den ich im Augenblick in unseren Ortsgruppen feststelle. Wir sollten nochmals genau nach unserem heutigen Bedürfnis fragen.
Das, was die Gruppe der Zeitbörse damals als Hilfe entwickelt hat, um ihre sehr nachbarschaftlichen Beziehungen zu intensivieren, hat sich heute erweitert durch das Bedürfnis, solche Beziehungen mit zu Fuß erreichbaren Nachbarn so gut zu gestalten, dass wir auch in Krisen eine Sicherheit gewinnen, die der Staat nicht mehr für uns garantieren kann. Für dieses Ziel ist z.B. der Tauschring Münstertal zwischen Obermünstertal und Staufen zu groß und es bräuchte Untergruppen. Man sollte dann bei den gegenseitigen “Leistungen” nur noch in Stunden rechnen und “Gemeinschaftsstunden” neu einführen. Diese werden wie bei der Zeitbörse Müllheim damals aus einem “Gemeinschaftskonto” genommen und sind gedeckt durch die tatsächlich in dieser Gruppe erbrachten Leistungen. Das ist in der Kleingruppe nachprüfbar, nicht jedoch in unserem Tauschring in den heutigen Ausdehnungen.

Natürlich brauchen wir gleichzeitig andere Maßnahmen, um der zerstörerischen Wachstums-spirale zu entgehen. Dazu gehören Komplementär-Währungen wie die Talente, damit wir lernen auszutauschen, statt zu spekulieren. Man sollte aber die Mitglieder fragen, wer nur Letzteres oder wer Beides will und den Tauschring diesem Bedürfnis anpassen.

Tauschring ist nicht das Einzige was wir tun. Es gibt in unseren Tauschringen gute Erfahrungen mit

  • Verschenkmärkten und öffentlichen Bücherschränken zum Hinstellen und Wegnehmen.
  • Welche andere Formen von Gebrauchs-Eigentum statt Privat-Eigentum entwickeln wir?
  • Wie förderen wir eine Recycling- anstelle einer Wegwerf-Wirtschaft?
  • Wie können wir Banken-frei und zinslos einander Geld leihen?
  • Wie beteiligen wir uns an den Wandel-Bewegungen überall auf der Welt?

Das schreibt Rudi

er sieht diesen Artikel als Anregung zum Gespräch zum Jahreswechsel


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