Tauschring Blog für das Dreiländereck

Tauschring/Zeitbank - Solidargemeinschaft

    Zur aktuellen Lage Im Kabarett

Schon mal Butzko und sein politisches Kabarett gesehen? Er bringt das Versagen der Finanzregelung so herrlich auf den Punkt. So z.B. “die EU macht Schulden! Und zwar zur Bekämpfung einer Schuldenkrise. Das ist so, als würdest du einen vorm Ertrinken retten wollen, indem du selber 10 Liter Wasser säufst!” In seinem Butzko Blog lädt er uns ein, mitzumachen bei der Occupy-Bewegung und gleichzeitig kreativ etwas zu unternehmen wie: jeden Tag 1 Cent an die Bundesfinanzkasse (Bankleitzahl:590 000 00 Kontonummer: 590 010 20) überweisen. Dort ist man tatsächlich verpflichtet, diesen Cent anzunehmen und zu verwalten. Und das beansprucht eine gewisse Zeit, was bedeutet, dass diese Verwaltungsangestellten für ein paar Minuten keine Dummheiten anstellen können. Und je mehr Leute täglich 1 Cent überweisen, desto weniger Zeit bleibt denen. Darüber hinaus kann man aber auch auf jeden Überweisungsschein in die Betreffzeile eine persönliche Botschaft an diese Finanzbehörde schreiben, wie z. B.: “Schranken für Banken!” oder “Das Leben ist kein Bonihof!” oder “Schäuble hat ne rote Nase!” Ihr könnt Euch sicher sein, dass sowas dort gerne gelesen wird.

Georg Schramm, unser Kabaretist aus Badenweiler hat am 15. Oktober in Frankfurt bei der occupy-Bewegung gesprochen.
Im Folgenden könnt ihr die 20 Minuten euch gönnen, ihm zuzuhören. Es lohnt sich!
Georg Schramm

    Zur aktuellen Situation in Youtube

Sieben Minuten, leider nur auf Englisch, aber ausgezeichnet! THE BEST VIDEO ON
OCCUPY THE WORLD

    zur aktuellen Situation in der Karikatur


Bitte zum Vergrößern anklicken!

    Gibt es eine Alternative?

Alles recht und gut. Aber uns interessiert auch die Alternative. Was können wir Sinnvolles für unsere eigene Altersvorsorge tun? Wie machen wir den Tauschring oder die Zeitbank zu der wir gehören, zu einer wirklichen Solidargemeinschaft? Dazu folgendes Beispiel einer Zeitbank aus den USA Ich empfehle Euch, diesen Vortrag von Charles Eisenstein an die 120 Mitglieder dieser Zeitbank anzuschauen und zu hören: Zeitbank in Santa Fé. Eisenstein empfiehlt uns die Geschenk-Kultur wieder zu entdecken, wie sie in dörflichen Gemeinschaften früher üblich war. Er erklärt auch, warum diese eine größere Sicherheit schafft als Geld und Gut in der Haben-Kultur.

Schließlich fände ich es großartig, wenn Robert Pawelke-Klar aus Staufen, Wolfacker 19 T: 07633 / 9 24 9 14 Pawelke(at)marktlehre.de und Marktlehre von Euch bei einem Tausch-Treffen mal zu Wort käme. Mir haben seine Erklärungen ganz viel geholfen. Wenn wir es fertig bringen, unseren örtlichen Tauschkreis zu einer wirklichen Solidargemeinschaft weiterzuentwickeln, so müssen dafür andere Regeln gelten, als wir sie von der Geldwirtschaft her kennen. Ich zitiere dazu aus einem seiner letzten Artikel über “die Methode Geld”. Ist es eine Utopie zu glauben, dass in einem Tauschkreis jeder nach seinen Möglichkeiten mitarbeitet und aber auch jeder nach seinen Bedürfnissen bekommt, ohne dass wir sagen können: du hast so viele Stunden gearbeite, du bekommst also soviel dafür? Aber lest selbst:

“Nehmen wir den Fall an, dass alle für jene sorgen, von denen sie versorgt werden. Das würde der klassische Tauschwirtschaft entsprechen, von der stillschweigend ausgegangen wird, wenn vom Tausch die Rede ist. Sie soll hier einem geistigen „Stresstest“ unterzogen werden. Stellen wir uns dazu eine Gemeinschaft von zehn Produzenten vor, die alle die Dinge produzieren, die von den anderen neun benötigt oder gewünscht werden. (Die Anteile für den Eigenbedarf produzieren alle nach Feierabend. Diese Annahme soll einer einfacheren Darstellung dienen.) Gleichzeitig wollen wir annehmen, dass alle gleich viel ihrer Lebenszeit als Arbeitszeit einsetzen. Alle bringen in unterschiedlicher Form die gleiche Leistung ein. Das heißt, dass wir uns gegenseitig bestätigen können, dass alle die Woche über ihr „Bestes“ gegeben haben, so dass wir sagen können, dass die Gütermenge, die am Sonntag zur Verteilung ansteht, die Menge ist, die unter menschenwürdigen Bedingungen herzustellen war. Mehr war mit den gegebenen Mitteln zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht möglich. Das die Ausgangslage für die weiteren Überlegungen.

Wenn wir nach dem kapitalistischen Tauschprinzip vorgehen, dann hieße das „logischerweise“, dass alle gleich viel bekommen, denn alle haben gleich viel gearbeitet: Alle gleich viel Brot, gleich viele Kleider usw. Damit würde der produzierte Reichtum “entsprechend” der Arbeit verteilt werden, wie es in der Tauschsprache heißt. Das hieße, die Verteilung an der Arbeit zu „messen“. Das ist die eine Variante. Von dieser Variante heißt es, sie würde den Neid gleichmäßig auf alle verteilen. Wir hätten allerdings auch die Möglichkeit, den arbeitsteilig produzierten Reichtum entsprechend den Bedürfnissen zu verteilen, wobei wir darüber verhandeln müssten, wessen Bedürfnisse in welchem Umfang bedient werden sollen. Dies hieße, dass alle gleich viel geleistet haben, dass aber nicht alle gleich viel bekommen, von einer menschenwürdigen Grundversorgung für alle einmal abgesehen. Dies mag man menschlich für schwierig halten, doch ökonomisch stellt dieses Vorgehen kein Problem dar.

Wir können das Ganze auch umdrehen und von einer Grundversorgung für alle ausgehen und eine Verteilung der Arbeit entsprechend der Leistungsfähigkeit des Einzelnen vornehmen, damit auch der „Schwächste“ rund um versorgt ist. In diesem Fall erfahren alle die gleiche Versorgung aber die Arbeit wäre ungleich verteilt. Auch das könnte menschliche schwierig sein, doch auch dies ist ökonomisch kein Problem. Zu guter Letzt können wir auch einen Mix aus beiden Grundsätzen herstellen. Dabei käme heraus: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.

Hervorzuheben ist, dass in allen drei Fällen verhandelt werden muss: entweder über die Verteilung der Güter, oder über die Verteilung der Arbeiten, oder über beides. Doch im dritten Fall müsste bezogen auf den Einzelnen über die Arbeit getrennt von der Bedürfnisbefriedigung verhandelt werden. Warum? Von einem gesellschaftlichen Standpunkt aus gesehen, hängt zwar die Versorgung von der Arbeit ab, aber das gilt nicht für den Einzelfall. Die Versorgung des Einzelnen hängt nicht von seiner Arbeit ab, sondern von der Arbeit der anderen und wie deren Früchte verteilt werden. (Dies bildet die Grundlage für den Grundsatz, jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. (Siehe auf meiner Internetseite “Jeder und jedem”.)

Zwischen diesen „drei Varianten“ können wir uns nicht nur entscheiden, sondern tun es, ob wir wollen oder nicht, ob es uns bewusst ist oder nicht. Was uns nicht gelingen wird, ist, einen „ökonomischen, sachlichen Beweis“ für eine der drei Varianten zu liefern. Anders formuliert, alle drei Fälle sind „ökonomisch“ möglich. Was wir menschlich wollen, ist uns überlassen. Doch ein „sachliches“ Vorgehen ist nicht möglich, wenn wir in der menschlichen Arbeitsteilung nicht „unmenschlich“ sein wolle. „99%“ der wirtschaftlichen Debatten kreisen um eine Versachlichung, Objektivierung der menschlichen Fragen innerhalb der menschlichen Arbeitsteilung, ohne dass es den streitenden Parteien bewusst ist. Indem wir die wirtschaftlichen Beziehungen auf Zahlen reduzieren, indem wir die Dinge über Zahlen verteilen, die wir Preise nennen, versuchen wir das Menschliche zu versachlichen. Unser zentrales Problem ist die Preisfrage, die von den meisten Geldtheorien verdrängt wird. Es fehlt nicht an Geld, sondern an den “richtigen” Preisen.


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