Tauschring Blog für das Dreiländereck

Tauschsysteme: gelebte Solidarität!?

Unter diesem Motto standen die nachfolgenden Themen bei dem Bundesarbeitstreffen im Juni in Büdingen

Tauschringentwicklung – Zukunft
Dieser komplexe Bereich umfasst Themen wie “gerechte“ Mitgliedsbeiträge, sichere Finanzierung des Systems, Aktivierung von Mitgliedern, Gewinnung von Nachwuchs
Zeitbank (hier auch das politische Schlüsselthema 2013: Gemeinnützigkeit)
Schon Mitte der 90er Jahre hatte so mancher Tauschfan die Idee, Zeiteinheiten für Krankheitsfälle oder das Alter anzusparen. Damals wie heute scheiterte das aber daran, dass jede Organisation, die auch nur Begriffe wir Tauschring, Zeitbank o.ä. in ihren Prospekten oder der Satzung führt, pauschal nicht als gemeinnützig anerkannt wird. In anderen EU-Staaten wird dies längst anders gehandhabt. Hier (Wo ???) liegt möglicherweise der Schlüssel zur Lösung - in Kombination mit gemeinsamer Lobbyarbeit (extra Punkt)

Soziale und ökonomische Relevanz
Wie definieren Tauschringe ihren gesellschaftlichen Wert? Wo sehen sie selbst ihren Platz in der Gesellschaft? Liegt ihre Bedeutung eher im sozialen oder im ökonomischen Kontext? Oder sehen sich Tauschsysteme als Mischform, für die es noch keine juristische Grundlage gibt?

Gesellschaftliche Teilhabe, Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein
Tauschringe sind Organisationen, die in der Regel einen äußerst niedrigschwelligen Zugang für potentielle Mitglieder bieten. Sie werten sogenannte Hilfs- und Hausarbeit auf, besonders wenn sie mit reiner Zeitverrechnung arbeiten. Durch ihre besondere Form von Angebot und Nachfrage lassen sie einen selbstbestimmten Einstieg ins aktive Tauschen zu. Für geleistete Arbeit erhält ein Mitglied immer direkte Rückmeldung. Eine Ausbildung für die angebotenen Tätigkeiten ist nicht zwingend erforderlich. Soweit jedenfalls die Theorie. Damit könnten Tauschsysteme auch zu einem Grundeinkommen für alle BürgerInnen beitragen, möglicherweise können sie sogar als Pilot voran gehen und den Nachweis erbringen, dass ein solches Grundeinkommen ein belebendes Element ist.

Anders Wirtschaften –> Wertschaften (Fortführung “Solidarische Ökonomie”)
In Tauschsystemen geht es nicht um Wachstum, nicht um Profit. Trotzdem sind sie eine Form des Wirtschaftens. Da es keinen Zins gibt, kann es aber dabei nicht um Rendite gehen. Vielmehr geht es um einen gleichberechtigten Austausch von Waren und Dienstleistungen, um nachhaltiges Wirtschaften, um Ressourcenschonung. Letztlich geht es also um ein anderes Wertesystem. Wertschaften statt Wirtschaften, Ökonomie mit Solidareffekt. Nein, nicht jedes Tauschsystem verfolgt diesen Ansatz in aller Klarheit, doch liegt es im Kern eines jeden einzelnen: Es war und ist Teil der Vision “Tauschsystem”. Welche Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung fehlen uns dazu, wie können wir die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen schaffen?

Interessengemeinschaft deutsche Tauschsysteme
Tauschsysteme und ihre Anliegen sind als Idee und Vision auf der gesellschaftlichen und politischen Bühne durchaus wohlwollend betrachtet. Trotzdem geht es nicht voran. Bestes Beispiel: seit 1997 gibt es einen Erlass der Landesfinanzämter, der Tauschsystemen grundsätzlich die Fähigkeit zur Gemeinnützigkeit abspricht. Finden sich im Regelwerk Begriffe wie Tausch, Tauschsystem oder -ring, Zeitbörse, Talentetausch oder ähnliches , wird anders als bei anderen Vereinen verfahren. Laut Gesetz ist es üblich, zunächst die Satzung zu prüfen. Es gibt eine lange Liste mit Formulierungen, die explizit für eine Gemeinnützigkeit stehen. Spiegelt das die Satzung wieder, wird die Organisation vorläufig als Gemeinnützig anerkannt. Dies wird per Körperschaftsteuererklärung zusammen mit den Einnahme-Überschuß-Rechnungen, den Protokollen der Mitgliederversammlungen und den jährlichen Tätigkeitsberichten stets rückwirkend geprüft. Entspricht die tatsächliche Arbeit der vorgelegten Satzung, wird weiterhin die Gemeinnützigkeit gewährt. Bei Tauschsystemen wird das ohne jegliche Prüfung negiert. Doch 75% der Organisationen arbeiten mit Zeitverrechnung. Eine Begünstigung einzelner Mitglieder ist dabei nicht möglich: Die Summe aller Mitglieder- und Systemkonten ergibt immer Null.

Außerdem sollten auch Tauschsysteme, wie z.B. in Italien, aufkommunaler Ebene einen Anspruch auf Unterstützung mit Sachmitteln haben. Die Gestellung von Büroraum oder Kommunikationsmöglichkeiten z.B. gegen Hilfen in Bürgerhäusern sollte selbstverständlich sein und wäre ein Gewinn für jede kommunale Körperschaft.
Das sind nur zwei Beispiele. Doch wie können wir das (was???) erreichen? Es sind keine Ansprüche, die viel kosten, eigentlich kosten sie nichts. Aber sie haben natürlich weitreichende gesellschaftspolitische Auswirkungen. Ohne solche Veränderungen werden Tauschsysteme aber fortlaufend in ihrer Entwicklung gebremst. Um eine gesamtgesellschaftliche Wirkung zu erzielen und in der Politik ernst genommen zu werden, müssen Tauschsysteme eine gut organisierte Lobbyarbeit aufbauen. Der Grundstein wurde in Büdingen 2012 gelegt. 2013 ist möglicherweise ein epochales Wahljahr. Die Vergangenheit zeigt, dass besonders in solchen Phasen politische Erfolge leichter zu erreichen sind. Das BATT in Kassel sollte daher ein wirkungsvoller Höhepunkt einer Interessenvertretung sein.

:: Anmeldung und Buchungen
Anmeldeformulare, Informationen zu den Übernachtungsmöglichkeiten sowie alle Teilnehmerpreise senden wir in Kürze mit gesonderter Mail.

Bis dahin herzliche Grüße

Euer BATT 2013 Organisationsteam


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