Tauschring Blog für das Dreiländereck

“wo der Papst irrt”,

kommentiert ein Herr Buttweg in der BZ vom 11.7. Seite 24 - Von “Ideologischem Kolonialismus” spricht der Papst. Womit hat Franziskus beim Welttreffen der Volksbewegungen in Bolivien die öffentliche Meinung herausgefordert? Wir haben uns die Ansprache des Papstes original angehört und waren tief beeindruckt. In einem ganz warmen Ton bringt der die Klage der Ausgeschlossenen in Lateinamerika und auf der ganzen Erde zu Wort. Ich möchte hier nur drei Abschnitte aus der langen Rede wörtlich zitieren: “Sie leben Tag für Tag im Zentrum des menschlichen Unwetters, gleichsam darin eingetaucht. Sie haben mir von Ihren Anliegen erzählt, mich teilhaben lassen an Ihrem Ringen, und ich danke Ihnen dafür. Sie, liebe Brüder, arbeiten oftmals im Kleinen, im Naheliegenden, in der ungerechten Wirklichkeit, die Ihnen aufgezwungen wurde und mit der Sie sich nicht abfinden, sondern dem götzendienerischen System, das ausschließt, demütigt und tötet, aktiven Widerstand entgegensetzen. Ich habe Sie unermüdlich arbeiten sehen für den Boden und die kleinbäuerliche Landwirtschaft, für Ihre Territorien und Gemeinschaften, für die Achtung der Würde der volksnahen Wirtschaft, für die städtische Eingliederung Ihrer Vororte und Siedlungen, für den Eigenbau von Wohnungen und die Entwicklung einer Infrastruktur der Wohnviertel sowie in vielen gemeinschaftlichen Aktivitäten, die auf die erneute Bekräftigung von etwas so Elementarem und unbestreitbar Notwendigem abzielen wie das Recht auf die „drei T“: tierra, techo, trabajo – Boden, Wohnung und Arbeit.
 
Diese Verwurzelung im Stadtviertel, im Grund und Boden, im Territorium, im Handwerk, in der Genossenschaft, dieses Sich-Erkennen im Gesicht des anderen, diese Nähe im Alltag mit seinem Elend und seinem täglichen Heldentum – all das erlaubt, die Sendung der Liebe zu praktizieren, nicht aufgrund von Ideen und Konzepten, sondern aufgrund der echten Begegnung zwischen Menschen, denn was man liebt, sind nicht die Konzepte und die Ideen; man liebt die Menschen. Die Hingabe, die wahre Hingabe geht aus der Liebe hervor, aus der Liebe zu Männern und Frauen, zu Kindern und Alten, zu Volksgruppen und Gemeinschaften… Gesichter und Namen, die das Herz erfüllen. Aus diesen Samen der Hoffnung, die geduldig in den vergessenen Peripherien des Planeten ausgesät werden, aus diesen Sprossen der Zärtlichkeit, die in der Dunkelheit des Ausgeschlossenseins ums Überleben kämpfen, werden große Bäume heranwachsen, werden dichte Wälder der Hoffnung entstehen, um diese Welt mit Sauerstoff zu versorgen.
 
Ich sehe mit Freude, dass Sie im Naheliegenden arbeiten und pflegen, was aufsprosst, zugleich aber in einer weiter reichenden Perspektive die Baumpflanzung schützen. Sie arbeiten in einer Perspektive, die nicht nur den jeweiligen Sektor der Wirklichkeit in Angriff nimmt, den jeder von Ihnen vertritt und in dem er glücklich verwurzelt ist, sondern Sie versuchen auch, die allgemeinen Probleme von Armut, Ungleichheit und Ausschließung von Grund auf zu lösen.”

Sehr konkret knüpft er dann an seine Erfahrung in Argentinien an, wenn er sagt: “Ich habe aus der Nähe verschiedene Experimente kennen gelernt, in denen es den in Genossenschaften und anderen gemeinschaftlichen Organisationen zusammengeschlossenen Arbeitern gelungen ist, Arbeit zu schaffen, wo es nur Abfälle der götzendienerischen Wirtschaft gab. Die von den eigenen Arbeitern übernommenen Unternehmen, die kleinen freien, mit Tauschkupons organisierten Märkte und die Kooperativen der Cartoneros sind Beispiele dieser volksnahen Wirtschaft, die aus der Ausschließung hervorgeht und allmählich, mit Einsatz und Geduld, solidarische Formen annimmt, die ihr Würde verleihen. Welch ein Unterschied dazu, dass die Ausgeschlossenen durch den offiziellen Markt wie Sklaven ausgebeutet werden!” Wäre so etwas nicht gerade in Griechenland ganz aktuell wichtig?

Wenn er vom Neokolonialismus redet, so bitte er auch um Vergebung für die Sünden, schwere Sünden der Kirche aus Vergangenheit und Gegenwart. Er erinnert aber auch an die vielen Menschen, welche die Rechte der indigenen Vöker verteidigt haben. “Die Kirche, ihre Söhne und Töchter, sind ein Teil der Identität der Völker Lateinamerikas – einer Identität, die einige Mächte hier wie in anderen Ländern unbedingt auslöschen wollen, manchmal weil unser Glaube revolutionär ist, weil unser Glaube der Tyrannei des Götzen Geld die Stirn bietet. Heute sehen wir mit Grauen, wie im Nahen Osten oder an anderen Orten der Welt viele unserer Brüder und Schwestern um ihres Glaubens an Jesus willen verfolgt, gefoltert und ermordet werden. Und wir müssen es auch anprangern: In diesem dritten Weltkrieg „in Raten“, den wir erleben, ist eine Art Völkermord im Gange, der aufhören muss.”

Zum Schluss erinnert er eindringlich an sein neuestes Rundschreiben “Laudato si” und unsere dringendste Aufgabe, unsere Schwester und Mutter Erde zu retten. Er bittet alle, für ihn zu beten und bittet mit allem Respekt auch diejenigen, die nicht beten könne, ihm ihre Gedanken und ihre gute Welle zukommen zu lassen.

Ich hoffe, mit diesen Zitaten geholfen zu haben, dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Vor allem hoffe ich, dass wir mit unserer Tauschbewegung auch in Deutschland immer weitere Kreise ziehen.

Rudi


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